Sicherung einer bei Wikipedia rausgeflogenen Zusammenstellung,
https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Trikont-Verlag&oldid=prev&diff=11473129
die unten benannten Bestände sind nun Teil des Arbeiterarchiv München


Das ARCHIV 451 der neuen sozialen Bewegungen in München

bewahrt die Geschichte des Verlags und seiner Bücher im Kontext der Materialien ihrer Zeit.
Aus der Selbstdarstellung des Archivs - mit freundlicher Genehmigung -:

"Fahrenheit 451 - 232 Grad Celsius, der Hitzegrad, -bei dem Bücherpapier Feuer fängt und verbrennt... Ray Bradbury

Das Archiv entstand Anfang 1991 anläßlich eines Ausstellungsprojekts über kulturelle Strömungen Anfang der siebziger Jahre in München. Archiviert wurden zunächst die gesamten Bestände des TRIKONT- und dianus/trikont-Verlags.
1967 von Mitgliedern der Außerparlamentarischen Opposition gegründet, existierte der Verlag bis 1986. Der Name TRIKONT ist abgeleitet von der TRICONTINENTALE, einer ständigen Konferenz der Befreiungsbewegungen der Dritten Weit, die in den sechziger Jahren auf Cuba tagte. Der Ende der siebziger Jahre hinzugefügte Name dianus steht für den etruskisch italischen Gott Janus.
TRIKONT unterschied sich vielfach von Politik und Organisationsform anderer Verlage. Sein Anliegen war neben der Publikation von Büchern, Zeitschriften und Schallplatten - die Initiierung, der Aufbau und die Förderung sozialer Bewegungen.
Der Verlag verstand sich als Publikationsforum der Außerparlamentarischen Opposition und wurde durch die Veröffentlichungen der Texte von Fidel Castro, Che Guevara, Régis Debray und Ho Chi Minh in den ersten drei Jahren seines Bestehens einer der wichtigsten Verlage der Neuen Linken in der Bundesrepublik. Neben der eigenen Verlagsproduktion verbreitete TRIKONT Bücher, Zeitschriften, Plakate und Schallplatten aus der Volksrepublik China, unter anderem "Die Worte des Vorsitzenden Mao Tse-Tung" (Mao-Bibel), die "Peking Rundschau" und "China im Bild".
Auch nach dem Zerfall der antiautoritären Revolte spiegelten sich die politischen, sozialen und emanzipatorischen Wandlungen der neuen Protest- und Alternativbewegungen in den Publikationen des Verlags wider.
Es erschienen Texte der Kommunistischen Jugendinternationale (Reprints aus den Jahren 1929 bis 1931 ), Pamphlete der Black Panther, Berichte über die Revolution in Nord-Irland, über die FIAT-Streiks in Italien, Beiträge zur Imperialismustheorie, zu Judenfrage und Kapitalismus und ab 1970 Texte der neuen Frauenbewegung.
Mitte der siebziger Jahre publizierte TRIKONT die Reihe FRAUENOFFENSIVE - Texte der deutschen, amerikanischen, englischen, italienischen und französischen Frauenbewegung.
Es erschien die erste Schallplatte mit Liedern aus der neuen deutschen Frauenbewegung: "Von heute an gibt's mein Programm!" Wenig später gründeten die Herausgeberinnen der Reihe FRAUENOFFENSIVE unter dem gleichen Namen den ersten autonomen feministischen Verlag in der Bundesrepublik, der bis heute existiert.
1975 erschien die Autobiographie eines jungen Arbeiters - Michael "Bommi" Baumann: "Wie alles anfing". Das Buch beschreibt die turbulenten Jahre 1965 bis 1971 in Westberlin. (Kommune 1 und die Verbindung von Politik und Subkultur. Ostern 1968, die Schüsse auf Rudi Dutschke und "Wir sind eine kleine radikale Minderheit". Haschrebellen, der Blues, Tupamaros Westberlin, der Beginn der Stadtguerilla und die ersten steckbrieflich Gesuchten, Banküberfälle, die Bewegung 2. Juni und die Erschießung Georg von Rauchs.)
Das Buch wurde 1975 auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt - der Autor lebte seit Jahren im Untergrund. Einen Monat später fanden im TRIKONT-Verlag, in zahlreichen Buchhandlungen und privaten Wohnungen Hausdurchsuchungen statt. Das Buch wurde überall beschlagnahmt. Es begann eine der spektakulärsten Kampagnen um ein verbotenes Buch seit 1945.
Ein Jahr später wurde das Buch von fast 400 Personen, Verlagen, Buchhandlungen, Druckereien und Institutionen neu herausgegeben, unter anderem von Wolfgang Abendroth, Bernt Engelmann, Inge Feltrinelli, Helmut Gollwitzer, Peter Handke, Jakob Moneta, Luise Rinser, Jean-Paul Sartre, Alice Schwarzer, Peter Weiss und Gerhard Zwerenz. Der Prozeß gegen die erste Herausgabe des Buches erstreckte sich über drei Jahre und alle Instanzen. Er endete 1978 mit einem Freispruch.
Ab 1975 unterstützte TRIKONT die Alternativbewegung, die die Politikansätze der Neuen Linken in Frage stellte und erweiterte. Es entstand LEBASCHA, eine Lebensmittelkooperative in Haidhausen, die bis heute eine zentrale Funktion als politisches Kommunikationszentrum erfüllt.
Weiterhin produzierte der Verlag in den siebziger Jahren Texte zur anderen Arbeiterbewegung, zu Widerstandsaktionen in Fabrik und Bundeswehr, zu Hausbesetzungen, Anti-AKW-Bewegungen, Ökologie, Regionalismus und zu den Emanzipationsbewegungen der Männer und der Schwulen. Ab 1982 befaßte sich der Verlag überwiegend mit spirituellen Anliegen, wie Naturreligionen, New Age, Wissenschaft und Religion sowie Metapolitik."
Eine Mit-Gründerin war Gisela Erler, politische Bedeutung bekamen ausserdem Bücher von Peter Schult, Karl Heinz Roth.

Bestände

  • "Die Trikont-Bücher in ihrer Zeit" in ihrem Kontext bewahrt, und
  • Zeitschriften: Autonomie - Materialien gegen die Fabrikgesellschaft (Alte und Neue Folge), Wir wollen alles - WWA FRAUENOFFENSIVE-Journal, *Blatt-Stadt-Zeitung für München, Stadtratte München, hilfe München.
  • Freibeuter, Konkret, Kursbuch, Pardon, Unter dem Pflaster liegt der Strand, Schwarzer Faden
  • Sammlung Franz Gans (Plakate ab Mitte der sechziger Jahre),
  • Raubdrucksammlung Steffi M. Block, BASIS-Buchhandlung und -Antiquariat,
  • Dokumente des Hochschulkampfs seit 1967,
  • Zeitungsausschnittsammlung (Komplex München) des Journalisten und TRIKONT-Autors Peter Schult,
  • Amateurfilme über die Aktivitäten der multinationalen Gruppe ARBEITERSACHE Anfang der siebziger Jahre.
  • Flugblätter der ARBEITERSACHE und von LOTTA CONTINUA,
  • Materialien der SIEMENS FRAUENGRUPPE und der PROJEKTGRUPPE TECHNOLOGIE MÜNCHEN (PTM) sowie der (anarchistischen) ROTEN HILFE.
  • Sammlung Fritz Letsch Materialen der neuen sozialen Bewegungen, incl. AG SPAK Arbeitgemeinschaft Sozialpolitischer Arbeitskreise
  • Umfangreiches Material zur Geschichte des VLB (Verband des linken Buchhandels), Antiquariatskataloge, Prospekte und Almanache von linken und alternativen Verlagen.
Zusammen mit dem Blatt-Bestand, dem Archiv der Münchner alternativen Stadtzeitung BLATT, ca 1974 bis 1984 sind die politischen Entwicklungen dieser Aufbruchs-Zeit in der olympisch geschönten, aber polizeilich und universitär noch muffigen Stadt München und ihrem umtriebeigen Umland dokumentiert.

Weblinks

Das Trikont- Platten-Label existiert noch weiter und gibt die ungewöhnliche Seite zwischen Weltmusik und traditionaler bayrischer Musik heraus: http://trikont.de